Update für unsere Erinnerungskultur

Präambel:
Die Aufarbeitung der nationalsozialistischen Verbrechen darf nicht vernachlässigt und erst recht nicht als abgeschlossen angesehen werden. Die politische und gesellschaftliche Verantwortung bleibt weiter bestehen und wird auch nie verjähren. Gegenwärtig kommen jedoch größere Teile der Gesellschaft gar nicht mehr in Berührung mit diesem Thema – die aktive Auseinandersetzung fehlt komplett. Und das obwohl Rassismus und Antisemitismus wieder zunehmend an Popularität gewinnen. Als liberale Gesellschaft dürfen wir den vielzitierten Schlussstrich in der Erinnerungspolitik nicht dulden und müssen uns stattdessen entschieden für eine lebendigere und modernere Erinnerungskultur, die Entwicklung von neuen Vermittlungsformaten an den KZGedenkstätten und in den Schulen und für mehr Räume der Begegnung, speziell mit jüdischem Leben in Deutschland, einsetzen.

Die Jungen Liberalen Hessen fordern daher:

  • eine bessere und umfangreichere Förderung der historisch-politischen Bildungsarbeit der KZGedenkstätten und NS-Dokumentationszentren. Sie leisten mit ihren Aktivitäten einen
    essenziellen Beitrag gegen Diskriminierung, Rassismus, Antisemitismus und Rechtsextremismus
    und formen darüber hinaus ein kritisches Geschichtsbewusstsein und fördern die Entwicklung
    von Haltungen zu Werten wie Rechtsstaatlichkeit und Demokratie.
  • mindestens einen Besuch in einer KZ-Gedenkstätte für jede Schülerin und jeden Schüler,
    während der Sekundarstufe I, da alle Schüler*innen erreicht werden müssen. Dazu
    ist eine zeitlich, inhaltlich und in Einzelfällen mental angemessene Vor- und Nachbereitung des
    Besuches unerlässlich. Den Schülerinnen und Schülern sollte vor allem der historische und
    politische Kontext vorab klar sein, damit sie nach dem Besuch das Erlebte und ihre
    individuellen Erfahrungen gemeinsam besprechen, aufarbeiten und refektieren können. Das
    Besuchen einer KZ-Gedenkstätte ohne Vor- und Nachbereitung ist sinnbefreit.
  • die Verbesserung und die vermehrte Anwendung von digitalen Erinnerungskonzepten – primär
    im Schulunterricht, aber mittel- und langfristig auch darüber hinaus. Digitale Konzepte, wie
    beispielsweise die Kreierung virtueller Zeitzeug*innen mittels augmented reality, bieten die
    Gelegenheit, Geschichte erlebbar und nahbar werden zu lassen. Die Produktion von SocialMedia-Content (Paradebeispiel: Instagram-Kanal „Ich bin Sophie Scholl“) sollte ebenfalls
    forciert werden.
  • Ebenso soll im Rahmen der Erinnerungskonzepte auch der Antisemitismus in Deutschland in der Zeit vor und nach dem NS-Regime behandelt werden, um Menschen auch für verdecktere antisemitische Chiffren und Stereotypen zu sensibilisieren und die Menschen zu befähigen, diese zu erkennen, wenn sie auch heute noch von antisemitischen Hetzern verwendet werden.
  • die verstärkte Vernetzung von Schulen mit jüdischen Gemeinden in lokaler Nähe, um mehr
    Räume der aktiven Begegnung mit dem jüdischen Leben zu ermöglichen. Durch die persönliche
    Auseinandersetzung und Konfrontation mit der jüdischen Kultur, dem jüdischen Glauben, der
    Geschichte des jüdischen Volkes und der Möglichkeit des direkten Gesprächs wird der Bildung
    von Vorurteilen vorgebeugt und ein emphatisches Miteinander bestärkt.
  • das Herstellen von regionalen Bezügen, durch beispielsweise die Aufarbeitung der Geschichte
    eines lokalen Unternehmens oder Einzelschicksalen.
  • den Auf- und Ausbau von Schüleraustauschen und Partnerschaften zwischen hessischen und
    jüdischen Schulen, um den internationalen Kontaktund Erfahrungen mit der jüdischen Gesellschaft und Kultur zu fördern.
  • auch den Diskurs über ähnliche, andere Diskriminierungen zu forcieren. Dies kann besonders beim ersten Zugang zum Thema Antisemitismus und Rassismus für jüngere Altersgruppen hilfreich sein.

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