Der deutsche Spitzensport steckt seit Jahren in einer Krise. International läuft uns die Elite meilenweit davon, und selbst in Europa wird die Luft immer dünner, um mit den Briten oder Italienern mitzuhalten. Doch im Spitzensport zählt einer der wichtigsten liberalen Grundsätze überhaupt: Leistung muss sich lohnen. Leider sieht die finanzielle Situation im deutschen Spitzensport schlecht aus.
Spitzensport fängt bei den Kleinen an, und deshalb müssen wir Vereine in der Breite stärken. Nur starke Vereine bringen viele Talente hervor. Deshalb müssen wir die kommunale Sportförderung deutlich anheben und die Nutzung von Trainingsflächen effektiver gestalten. Das kann durch Smart Locks an Trainingstätten oder durch Buchungspläne für Hallen erfolgen. Die Ehrenamtspauschale muss deutlich erhöht werden und soll langfristig bei rund 2000 Euro pro Jahr liegen, die Übungsleiterpauschale soll an die Minijobgrenze angepasst werden. Um junge Talente regional länger auf gutem, altersgerechtem Niveau trainieren zu können, müssen regionale Talentzentren besser ausgebaut werden. Dafür müssen Kaderpflichten zur Teilnahme aufgehoben und die finanziellen Mittel für Personal erhöht werden.
Im Übergangsbereich zwischen Leistungs- und Spitzensport wollen wir die Zentralisierung der Trainingsgruppen ausbauen und fördern. Die Bereitstellung von Internatsplätzen bei den Landessportbünden muss deutlich erhöht werden. Die Bezuschussung von Trainerstellen an Bundes- und Landesstützpunkten muss weiter ausgebaut werden. Die Pflicht zum Erwerb eines DOSB-Trainerscheins wollen wir aufheben. Die Verantwortung für die Feststellung der trainerlichen Kompetenz soll vollständig auf die Trägervereine übertragen werden. Zudem muss die Schulstreckung vereinfacht und für mehr Talente zugänglich gemacht werden. Dafür wollen wir die rechtliche Verpflichtung des Kaderstatus aufheben, das notwendige Verfahren bleibt jedoch dasselbe. Grundvoraussetzung ist, dass der im Land angesiedelte Verband dieser Streckung zustimmt. Schulstreckungen sollen jedoch nur für olympische Sportarten zur Verfügung stehen.
Im Spitzensport wollen wir ein geregeltes Grundeinkommen in Höhe von 2500 Euro einführen, dazu sollen Renten- und Krankenversicherungsbeiträge zusätzlich übernommen werden. Dieses soll inflationsangepasst sein und vom Bundesinnenministerium den olympischen Bundesfachverbänden als Kontingent zur Verfügung gestellt werden. Dabei ist es unerheblich, ob der Sportler in Deutschland oder im Ausland trainiert. Die Auswahl dieser Athleten soll nicht nur an einen Kaderstatus gebunden sein, sondern auch auf Perspektive des Athleten bauen. Die Größe dieses Kontingents soll an den jeweiligen Spitzenverband angepasst werden und langfristig die Sportfördergruppe der
Bundeswehr sowie der Bundespolizei ersetzen. Ein Sportler, der in Euroim Jahr durch
Nebeneinkünfte oder Preisgelder erhält, hat einen Freibetrag von 15.000, bis er diese von der Förderung abgezogen bekommt. Dieses Angebot ist für die Elite der Verbände gedacht und soll durch die Bundesspitzenverbände vergeben werden. Die Förderstrukturen für alle personenbezogenen nicht-olympischen Sportarten wie zum Beispiel Rettungsschwimmen oder Wasserski wollen wir ersatzlos streichen. Alle Individualförderungen für Athleten außerhalb der olympischen oder Paralympischen Spielen sollen entfallen. Zudem sollen die Verbände auch nicht mehr für die World Games oder andere Veranstaltungen unterstützt werden. Die freiwerdenden finanziellen Mittel sollen auf die olympischen Sportarten verteilt werden. Wichtig ist es auch, die Ausstattung in teuren Sportarten wie Bob oder Skispringen gewährleisten zu können und Trainingslager weiter finanzierbar zu machen. Dafür soll die Sporthilfe deutlich mehr Budget bekommen. Kürzungen bei Verbänden, deren Sportler nicht die gewünschten Leistungen erbringen, sollen ausbleiben. Der Fördertopf soll fair und unter Berücksichtigung der finanziellen Nöte der Verbände verteilt werden, denn weniger Geld und mehr Leistung funktionieren im Sport nicht, daher sollen Finanzierungen fest einen Olympiazyklus vorausgeplant werden. Dabei wollen wir das PotAS-System grundlegend reformieren. Dadurch soll den Verbänden auch eine längere Planungssicherheit gegeben werden, um auch unbefristete Arbeitsverträge für Bundestrainer anbieten zu können. Grundlegend muss die Zukunft des Spitzensports die 3 Faktoren, und zwar den Sportler + Infrastruktur + Trainer, direkter und gezielter fördern als eine breit angelegte Verbandsförderung, welche am Ende nicht das gewünschte Ziel erfüllt. Auch in dem von der Bundesregierung geplanten Entwurf zur Reform des Spitzensports wollen wir den Einfluss des DOSB und der Athletenvertretungen in der neu geschaffenen Spitzensport-Agentur erhöhen, die Aufteilung von Budget darf keine reine Bund-Länder-Sache werden, sondern sollte transparent zwischen allen Beteiligten verhandelt werden. Die Spitzensport-Agentur ist ein richtiger Schritt in die richtige Richtung, muss aber im richtigen Verhältnis stehen, um bei einer Fördersumme von 350 Millionen Euro im Jahr eine Kontrolle zu haben, wo das Geld hinfließt.
Zudem wollen wir die Zuschüsse der Prämien auf Goldmedaillen bei den Olympischen
Spielen (inklusive der Paralympics) von der Sporthilfe erhöhen, diese sollen bei einer Goldmedaille 100.000, bei
Silber 75.000 und bei Bronze 50.000 Tausend Euro liegen.
Die in Hessen aufgestellten Sportfördergruppen sollen nicht mehr an einen Landeskaderstatus gebunden sein. Die Plätze sollen bis zum Maximum mit den geeignetsten Kandidaten aufgestockt werden. Die Sportfördergruppen der Verwaltung ebenso wie die der Polizei, die vom hessischen Innenministerium angeboten werden, wollen wir ausbauen und auch in Kassel anbieten. Der Ausbau dualer Karrieren im Spitzensport ist essenziell, um auch den Mittelbau im Erwachsenenbereich zu verstärken. Daher wollen wir gezielt Unternehmen unterstützen, die Sportfördergruppenmodelle in der freien Wirtschaft in duale Studiengänge oder Ausbildungen integrieren. Diese sollen, wie auch bei den staatlichen Modellen, gestreckt werden, und die Unternehmen sollen für den Arbeitsausfall, der durch den Sport entsteht, pro Monat bis zu 500 Euro entschädigt werden. Die Empfehlung für solche Stellen soll in Absprache mit den Landesverbänden verhandelt werden und auf Landesebene angesiedelt sein. Dieses Angebot soll sich vor allem an die nationale Spitze sowie den Mittelbau richten mit einer Perspektive auf die Teilnahme an internationalen Wettbewerben.
Langfristig wollen wir im Spitzensport ein Sportsystem etablieren, das sich als Endziel an der NCAA in den USA orientiert, mittelfristig jedoch an den BUCS in Großbritannien. Dafür müssen die Dachverbände des Hochschulsports gestärkt sowie die Kooperation mit den Landessportbünden und dem Deutschen Olympischen Sportbund vertieft werden.